Endlosschleife
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Es gibt Tage, da wirkt das Leben wie eine Endlosschleife mit hübscher Verpackung. Die Sonne geht auf, die Sonne geht unter. Ich schlafe, ich esse, ich arbeite, ich räume irgendwas weg, das gestern auch schon da lag. Und während ich das tue, habe ich dieses leise Gefühl, als hätte ich genau diesen Tag schon mal gelebt – nur in einer anderen Hose. Das klingt erstmal ein bisschen langweilig. Wiederholung hat ein Imageproblem. Sie riecht nach Routine, nach „tja“, nach „war das schon alles?“. Und gleichzeitig ist genau diese Wiederholung das Stabilste, was wir haben. Der Takt, in dem alles überhaupt erst möglich wird.
Denn während wir alle gerne die großen, einmaligen Momente feiern – den Durchbruch, die Entscheidung, den mutigen Sprung, den „ab heute wird alles anders“-Montag – passiert das meiste Leben in den unspektakulären Wiederholungen dazwischen. In den kleinen Dingen, die wir jeden Tag tun, ohne dass jemand dafür Applaus verteilt. Und manchmal, wenn ich auf meinen Blog schaue, fällt mir genau das auf: Auch da wiederholt sich Vieles. Nicht, weil mir nichts Neues einfällt. Sondern weil mein Leben – wie deins wahrscheinlich auch – eben nicht aus permanenten Highlights besteht, sondern aus Wellen. Aus Wiederkehrendem. Aus Themen, die in anderer Kleidung wieder vor der Tür stehen und sagen: „Hallo. Ich bin’s. Schon wieder.“
Wieder und wieder
Ich glaube, wir verwechseln „wiederholt“ oft mit „bedeutungslos“. Dabei ist Wiederholung eher das Gegenteil: Sie ist das, was etwas überhaupt erst bedeutend macht. Nicht jede Mahlzeit ist spektakulär, aber ohne Essen ist der ganze Rest irgendwann kein Thema mehr. Schlaf ist keine Performance, aber ohne Schlaf bist du am nächsten Tag eine schlechte Kopie deiner selbst. Und Arbeit – naja. Arbeit ist selten romantisch. Aber sie ist bei vielen von uns der Boden, auf dem Dinge wachsen. Wiederholungen halten uns am Laufen. Sie sind das Betriebssystem, nicht das Hintergrundrauschen.
Und weil das so ist, wiederholen sich eben auch die Gedanken dazu. Die Fragen. Die Muster. Dieses „Wie krieg ich das hin?“ und „Warum mache ich das immer so?“ und „Wie zur Hölle bleibt man eigentlich dran?“ Das sind keine Fragen, die man einmal beantwortet und dann für immer abhakt wie eine Versicherungspolice. Das sind Fragen, die kommen wieder. Und manchmal ist es fast beruhigend zu sehen: Ah, dieses Thema ist wieder da. Nicht als Rückschritt, sondern als Reminder. Als Trainingsrunde.
Kontinuität
Entscheidend, ob wir bei etwas vorankommen, ist selten die große Begabung, sondern wer wiederkommt. Talent ist ein Startvorteil, klar. Es macht die ersten Schritte leichter, es fühlt sich am Anfang oft nach „liegt mir“ an. Aber Talent trägt dich nicht durch die Stelle, an der es langweilig wird. Begabung ist wie ein gutes Werkzeug im Schrank: schön zu haben – aber es baut dir nichts, solange du es nicht regelmäßig in die Hand nimmst. Dranbleiben dagegen macht aus „könnte ich“ irgendwann „kann ich“. Nicht spektakulär, aber zuverlässig.
Kontinuität ist nicht sexy, aber sie funktioniert. Kontinuität ist das tägliche Üben, das Wiederholen, das Weitermachen, auch wenn es zäh wird. Und genau da passiert das Entscheidende: Dinge werden leichter. Nicht, weil du plötzlich ein anderer Mensch bist, sondern weil dein Kopf aufhört, jedes Mal neu zu verhandeln, ob das jetzt schwer, nervig oder „zu viel“ ist. Wiederholung ist wie ein Trampelpfad: Am Anfang musst du dir jeden Schritt freikämpfen, später findest du den Weg im Halbschlaf.
Du kannst für etwas talentiert sein und trotzdem nicht besser werden, weil du es nicht tust. Weil du darauf wartest, dass die Motivation irgendwann vorbeikommt und sagt: „Na, bereit für Höchstleistung?“ Spoiler: Sie kommt nie. Und du kannst wenig Talent haben und trotzdem sehr gut werden, weil du übst. Weil du es immer wieder machst. Nicht als heroische Tat, sondern als Gewohnheit. Talent hat vielleicht die besseren Startbedingungen. Aber Kontinuität gewinnt auf Strecke.
Und jetzt?
Wenn wir an Ziele denken, denken wir gern an das große Ereignis: den fertigen Blogpost, das fertige Produkt, die Routine, die plötzlich sitzt, das Ergebnis, das man auf Instagram posten kann. Aber der Weg dahin ist keine einzelne große Aktion. Es ist eine Reihe kleiner Schritte, die wir so oft wiederholen, bis sie automatisch ablaufen. Und das ist der Teil, den wir leicht übersehen, weil er nicht nach Drama aussieht. Er sieht aus wie Dienstag. Oder Mittwoch. Oder ein weiterer Dienstag.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich die Themen auf meinem Blog wiederholen: Weil mein Leben sich wiederholt. Weil ich nicht jede Woche ein komplett neues Betriebssystem installiere, sondern im gleichen Leben weiterlaufe – nur mit neuen Versuchen, neuen Erkenntnissen, neuen kleinen Korrekturen. Und weil ich glaube, dass genau darin die eigentliche Veränderung steckt. Nicht im einmaligen „Jetzt aber!“, sondern im wiederholten „Trotzdem.“ Trotzdem schreiben. Trotzdem üben. Trotzdem den nächsten kleinen Schritt machen.
💬 Und du?
Welche kleine Wiederholung in deinem Leben unterschätzt du gerade, obwohl sie am Ende wahrscheinlich mehr verändert als jede große Aktion?