Nachtschicht
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Eigentlich wollte ich heute keinen Blogbeitrag schreiben.
Nicht, weil ich keine Lust hatte. Nicht, weil ich nichts zu sagen hätte. Sondern einfach, weil meine Kreativität heute woanders hinwollte. Und wenn sie einmal entschieden hat, wo sie hinwill, dann ist sie ungefähr so kompromissbereit wie ein Kleinkind in Gummistiefeln mitten in einer Pfütze.
Heute wollte sie schneiden, nähen, sticken. Mit den Händen arbeiten. Stoffe zusammensetzen, Dinge entstehen lassen, Fäden verfolgen, mich komplett in etwas verlieren, das weder besonders vernünftig noch besonders termingerecht ist, aber dafür genau richtig. Also habe ich genau das gemacht. Fast den ganzen Tag.
Ich war dabei völlig beseelt. Was sehr schön ist, aber leider nicht automatisch dazu führt, dass sich offene Aufgaben in Luft auflösen. Im Gegenteil. Sie warten einfach still und professionell im Hintergrund weiter. So wie dieser eine offene Tab: Blogbeitrag schreiben.
Und jetzt ist der Tag fast vorbei, ich bin müde bis in die Wimpernspitzen und eigentlich schon halb auf dem Weg ins Bett. Aber solange dieser Tab noch offen ist, kann ich nicht schlafen. Er sitzt da wie ein kleines, schlecht gelauntes Pflichtgefühl im Browser und signalisiert: Du weißt ganz genau, dass wir beide hier noch nicht fertig sind.
Also schreibe ich.
Nicht geistreich. Nicht brillant. Nicht mit einem funkelnden Gedanken, der am Ende alles zusammenbindet wie ein schönes Geschenkband. Sondern einfach nur, dass es solche Tage gibt. Tage, an denen die ganze Kreativität in eine einzige Richtung fließt und für alles andere nur noch das Nötigste übrig bleibt.
Und ehrlich gesagt ist das vielleicht auch völlig okay.
Nicht jeder kreative Tag muss alles gleichzeitig leisten. Nicht jede Idee muss sofort in Worte. Nicht jede Routine muss mit Glanz erfüllt werden, damit sie ihren Zweck erfüllt. Manchmal ist schon genug, dass ich trotzdem noch auftauche. Müde, etwas zerknittert, nicht besonders elegant — aber da.
Vielleicht ist das heute kein großer Beitrag. Vielleicht eher Dienst nach Vorschrift in weichen Socken und mit sehr schweren Augenlidern. Aber auch das gehört wohl dazu: Dass wir nicht jeden Tag in allem glänzen können. Dass wir manchmal unsere ganze Schaffenskraft in eine Sache steckt und für den Rest eben nur noch ein kleines Lebenszeichen übrig haben.
Das hier ist meines.
Und jetzt mache ich den Tab zu.