Kreative Unfähigkeit.

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Ich leide heute an kreativer Unfähigkeit. Ein hübscher, doppeldeutiger Begriff, den ich mir gerade ausgedacht habe. Er lässt sich auf zwei völlig unterschiedliche Arten verstehen.

Variante A: Man ist unfähig – aber kreativ. Also diese beeindruckende Fähigkeit, das eigene Chaos so elegant zu dekorieren, dass es nach Konzept aussieht. Du hast nichts vorbereitet? Nenn es „spontan“. Du hast’s vergessen? „Ich wollte Raum lassen.“ Du bist überfordert? „Ich arbeite prozessorientiert.“ Das ist kreative Unfähigkeit im Premium-Modus: Unfähigkeit, aber mit Branding.

Variante B: Ich. Unfähig, kreativ zu sein.

Normalerweise ist meine Kreativität wie ein überdrehter Hund: ständig da, bringt mir Ideen, legt sie mir vor die Füße und guckt erwartungsvoll, als müsste ich sie jetzt sofort werfen. Und aktuell? Sitzt da nur Stille. Kein Hund. Nicht mal die Leine. Der Napf ist leer, der Ball verschwunden, und mein Gehirn schaut mich an wie ein Praktikant am ersten Tag: „Ähm… wo ist hier die Aufgabe?“

Das Absurde ist: Ich kann meine kreative Unfähigkeit nicht mal kreativ kaschieren. Ich kann nicht mal einen charmanten Text darüber schreiben, wie ich heute nicht schreiben kann, weil selbst das schon wieder nach Plan klingt. Stattdessen sitze ich da und merke: Der Eimer ist wirklich leer. Nicht „fast leer“, nicht „kurz nachfüllen“, sondern „bitte einmal umdrehen und prüfen, ob das Ding überhaupt jemals Inhalt hatte“.

Und trotzdem hat diese Leere etwas Tröstliches. Weil sie mir sagt: Ich bin nicht kaputt. Ich bin nur gerade nicht auf Sendung. Kreativität ist kein Dauerzustand, sondern eher wie Ebbe und Flut – nur dass bei Ebbe niemand applaudiert und ich mich plötzlich frage, ob ich das Meer aus Versehen abbestellt habe.

Wenn das also heute mein Output ist, dann bitte so verstehen: Ich kann gerade nicht kreativ sein. Aber immerhin formuliere ich es hübsch.

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Donnerstag.

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